Schweizerische Heraldische Gesellschaft
Société Suisse d'Héraldique
Società Svizzera di Araldica

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Gute Wappen, schlechte Wappen

Eine nicht abschliessende Bestandesaufnahme von neu geschaffenen Wappen anlässlich von Zusammenschlüssen schweizerischer Gemeinden in den letzten Jahren

Bonnes et mauvaises armoiries
(pour résumé français cliquer ici)

 

Zusammenfassung des im Schweizer Archiv für Heraldik, Heft 2004-II erschienen Artikels

 

Eine nicht abschliessende Bestandesaufnahme von neu geschaffenen Wappen anlässlich von Zusammenschlüssen schweizerischer Gemeinden in den letzten Jahren

 Bei neu geschaffenen Gemeindewappen sind drei Vorgehensweisen festzustellen:

1.  Die kleineren Gemeinden ordnen sich der grössten oder bedeutendsten Gemeinde unter. Sowohl Name als auch das Wappen der grössten und bedeutendsten Gemeinde werden unverändert weiter geführt. Diese Variante führ kaum zu grossen Diskussionen.

2.  Die bestehenden Wappen oder die wichtigsten Motive daraus werden in einem neuen Wappen vereinigt. Oft wird auch als neuer Name ein Doppelname oder ein regionaler Name gewählt. Hier besteht die Gefahr, dass das Wappen mit Motiven überladen oder die heraldische Farbregel missachtet wird.

3.  Es wird ein völlig neues Motiv für das Wappen angenommen. Das ist in jedem Fall einer Zusammenführung verschiedener Motive oder ganzer Wappen vorzuziehen.

Gemeindezusammenschlüsse sind eine sehr emotionale Angelegenheit, bei der zum Gelingen auf die Befindlichkeit der Bevölkerung geachtet werden muss. Eine besondere Rolle kommt bei der Neuschaffung von Gemeindewappen den Staatsarchivaren zu. Doch was hilft die fachliche und einwandfreie Beratung eines Staatsarchivars, wenn einzelne Gemeinderäte unbedingt ihre eigenen Vorstellungen haben und diese gegen jede Vernunft durchboxen? Der Staatsarchivar des Kantons Freiburg beklagt sich in einem Brief an den Autor bitter darüber, dass „das Predigen vor dem Gemeinderat und die Sitzung beim Departementssekretär nichts bringt,“ und dass „der zuständige Staatsrat eines Wappens wegen keine Fusion platzen lässt, zumal er ja wieder gewählt werden möchte … und der Gesamtstaatsrat folgt brav.“ Weiter kritisiert er auch die schrecklichen Namensgebungen für neue Gemeinden, wo „trotz Opposition der freiburgischen Namenskommission ein unschuldiges Bächlein oder eine beeindruckenswert kleine Bodenerhebung umfunktioniert wurde.“

Der Autor kommentiert folgende Beispiele von guten und schlechten Wappen:

Pont-en-Ogoz / FR

Die kleine Gemeinde Pont-en-Ogoz war bereits zweimal von Zusammenschlüssen betroffen. 1970 wurde der Name der neuen Gemeinde mit Le Bry festgelegt, aber das Wappen von Pont-en-Ogoz beibehalten. 2003 folgte eine weitere Zusammenlegung, wobei wieder der Name Pont-en-Ogoz gewählt wurde, aber das Wappen die Vereinigung dokumentieren sollte. Wahrscheinlich aus Unwissenheit wurde ein neues Wappen geschaffen, das aber in dieser Form bis 1996 von der Gemeinde Posat geführt wurde. Bei den Familienwappen ist es verpönt, das Wappen einer ausgestorbenen Familie anzunehmen.

Luchsingen / GL

Beim Zusammenschluss der drei Gemeinden im Glarner Hinterland wurde der Name der grössten Gemeinde beibehalten, aber aus den Motiven der bisherigen Gemeindewappen ein neues geschaffen, das heraldisch fragwürdig ist. Trotz Einwendungen von Dritter Seite wurde das Wappen verteidigt und der Wasserfall, der in der Diagonale durch das Wappen verläuft, sollte als moderne heraldische Lösung akzeptiert werden. Dabei kann dieses Gebilde, das der heraldischen Figur eines Wolfszahns gleicht, eher als Flutwelle interpretiert werden, die über den Luchs hereinbricht, diesen erschlägt und wegspült. Ob sich die Einwohner von Luchsingen im Bewusstsein des nahe liegenden Staudammes und dem im Wappen symbolisierten Infernos noch wohl fühlen können?

 

Donat / GR

Im Schweizer Archiv für Heraldik, Heft 2003-II, wurde das Wappen der Gemeinde Donat vorgestellt und als unheraldisch kritisiert. Der Autor stellt eine überzeugendere Möglichkeit vor, wie die Motive aus beiden Wappen zu verbinden wären.

Wichtrach / BE

Die Vereinigung der beiden bisherigen Wappen ist heraldisch einwandfrei gelöst.

Rapperswil-Jona / SG

Im Internet erschien vor einiger Zeit ein überzeugender Vorschlag für ein neues Wappen. Dieses dürfte für die Annahme grosse Chancen haben.

Isorno / TI

Im Wappen der neuen Gemeinde Isorno wird die Vereinigung originell dargestellt.

Onsernone / TI

Das Wappen von Onsernone verstösst gegen die heraldische Farbregel und die Symbolik ist interpretationsbedürftig. Wird ein Tal mit Brücken dargestellt oder zeigt die Anzahl der Brückenbogen der Zusammenschluss von drei Gemeinden zu einer?

Capriasca / TI

Das Wappen der neuen Gemeinde Capriasca ist heraldisch einwandfrei und überzeugend. In der italienischen Sprache bedeutet capro Ziegenbock. Zudem gesellt sich das neue Wappen hervorragend zu dem der Nachbargemeinde Ponte Capriasca.

Courtepin / FR

Hier ist die Vereinigung der beiden bisherigen Wappen ebenfalls heraldisch einwandfrei und überzeugend dargestellt.

Torny / FR

Das neue Gemeindewappen von Torny besticht durch die Originalität und wirkt trotz der vier Farben ansprechend.

 

Le Flon / FR

Das Wappen von Le Flon wirkt überladen und die Motive sind in den Grössenverhältnissen höchst ungünstig dargestellt. Die stolze Birke von Bouloz verkümmert zu einem Bonsei-Pflänzchen und verstösst zudem gegen die Farbregel. Der Turm wirkt gegenüber dem Eber wie eine Schachfigur. Der Autor zeigt, dass auch mit den Farben auf frühere Gemeinden Bezug genommen werden kann.

Le Mouret / FR

Das Wappen von Le Mouret fasst noch mehr Motive zusammen und wirkt dementsprechend überladen.

Le Glèbe / FR

In diesem Fall wurde mit viel Phantasie ein neues Wappen konstruiert. Doch dieses „Wappen-Puzzle“ eignet sich sehr schlecht für Verkleinerungen. Wie wirkt der Stempel der Gemeinde, wenn die Figuren nicht mehr erkennbar sind, und wie viel koste die Herstellung der Fahne?

La Sonnaz / FR

La Sonnaz führt ein Wappen, das nur noch wenige Bezüge zu den bisherigen Wappen besitzt. Es ist heraldisch einwandfrei.

Bas-Intyamon / FR

Auch das neue Wappen von Bas-Intyamon zeigt eine gelungene Vereinigung der bisherigen Wappen.

Villarsonnens / FR

Hier wird die Vereinigung von vier Gemeinden durch vier Sterne zum Ausdruck gebracht. Das Wappen ist schlicht und einprägsam. Die Blasonierung dürfte manchen Heraldiker interessieren.

Misery-Courtion / FR

In diesem Fall wird der Zusammenschluss durch ein vierblättriges Kleeblatt symbolisiert. Auch das ist eine originelle Lösung, auch wenn das Kleeblatt botanisch nicht korrekt dargestellt ist.

Les Montets / FR

Bei dieser Gemeinde ist die Fusion durch vier Rosen dargestellt.

Mézières / FR

Dieses Beispiel zeigt, dass die Vereinigung von nur zwei Gemeinden auch heraldisch viel einfacher zu lösen ist.

Riederalp / VS

Die Gemeinde Riederalp zeigt für ein neues Wappen kein Interesse. Das Briefpapier der Gemeinde wird von einem Logo beherrscht, dass Bezug auf das Unesco-Weltkulturerbe „Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn“ nimmt und nur schlecht von einem Brief von Riederalp Tourismus unterscheidbar ist. Der Autor befasste sich mit dem Thema „Gletscher“ und fand die Lösung in der Form eines Eiskristalls.

     Link zum Vorschlag

Nesslau-Krummenau / SG

Diese Gemeinde trat mit der Frage an die Schweizerische Heraldische Gesellschaft, ob das Motiv des Frauenschuhs für das neue Gemeindewappen geeignet sei. Die Idee stammt aus der Überlegung, dass sich in beiden Gemeinden Moorlandschaften von nationaler Bedeutung liegen und an verschiedenen Plätzen die seltene und geschützte Pflanze Frauenschuh gedeiht. Der Autor entwarf das gewünschte Wappen in den verschiedenen Farbkombinationen. Doch die Gemeinderäte beschlossen in der Folge, die beiden bisherigen Wappen zu vereinen.

 

Bonnes et mauvaises armoiries

Un inventaire (en cours) d'armoiries nouvelles créées pour des communes suisses issues de fusions récentes

 On a pu observer trois façons de procéder pour la création d'armoiries destinées à de nouvelles communes:

1.  Les plus petites communes se subordonnent à la plus grande (ou plus importante). Les armoiries de la plus grande (ou plus importante) commune sont reprises sans modification. Cette variante ne suscite pas de grande discussion.

2.  Les armoiries existantes ou leurs principales figures sont réunies dans un nouveau blason. On choisit souvent aussi comme nouvelle appellation un nom composé (généralement double) ou un toponyme régional. On court alors le risque d'une surcharge de figures dans les armoiries et/ou celui de contrevenir aux règles héraldiques relatives aux couleurs.

3.  On adopte pour armoiries un blason totalement nouveau. Ceci est dans tous les cas préférable à la combinaison de figures différentes ou de blason entiers.

Les fusions de communes suscitent des réactions d'ordre émotionnel, et leur réussite est tributaire de l'adhésion des populations. Un rôle particulier incombe aus archivistes cantonaux dans la création de nouvelles armoiries communales. Mais à quoi servent les conseils compétents et irréfutables d'un archiviste d'Etat, lorsque quelques membres d'un exécutif communale tiennent absolument à leur "propre idée" et qu'ils veulent l'imposer à toute force et contre toute raison? L'archiviste cantonal de Fribourg se plaint amèrement, dans une lettre à l'auteur de l'article, que "prêcher devant un Conseil communal et tenir séance avec le secrétaire du Département n'apportent rien", que "le Conseiller d'Etat compétent ne fera pas échouer une fusion à cause d'un blason, d'autant moins qu'il souhaite être rééelu... et que le Conseil d'Etat dans son ensemble le suivra bravement". Il critique ensuite également les horribles appellations des nouvelles communes où, "malgré l'opposition de la Commission fribourgeoise de nomenclature, un innocent ruisselet ou un monticule impressionnant de modestie sont convertis en appellations représentatives".

L'auteur commente ensuite les exemples suivants de bonnes et mauvaises armoiries:

Pont-en-Ogoz / FR

La petite commune de Pont-en-Ogoz a déjà vécu deux fusions. En 1970 le nom de Le Bry fut attribué à la nouvelle commune, mais les armes de Pont-en-Ogoz maintenues. En 2003 s'est ensuivie une autre fusion, où le nom de Pont-en-Ogoz a été choisi, mais où les armoiries devaient "documenter" le réunion. Probablement par ignorance, on a créé de nouvelles armes, qui avaient cependant été portées sous cette forme par la commune de Posat jusqu'en 1996. Pour les blasons de famille, il est défendu d'adopter celui d'une famille éteinte.

 

Luchsingen / GL

Lors de la fusion des trois communes de l'arrière-pays glaronnais on a conservé le nom de la plus grande, mais composé de nouvelles armoiries avec des motifs repris des précédentes, ce qui est problématique sur le plan héraldique. Malgré les objections avancées par des tiers, les nouvelles armoiries furent revendiquées, et la cascade qui traverse l'écu en diagonale dut être acceptée comme solution héraldique moderne. Or ce motif en forme de plumes ressemblant à la figure héraldique appelée en allemand "dent de loup" (Wolfszahn) peut être interprété plutôt comme une vague torrentielle qui surgit au-dessus du lynx, pour l'assommer et l'emporter. On se demande comment les habitants de Luchsingen, conscients de la proximité du barrage et de l'enfer symbolisé dans leur blason, peuvent encore se sentir à l'aise!

Donat / GR

Les armoiries de la commune de Donat ont été présentées et critiquées comme anti-héraldiques dans les AHS 2003-II. L'auteur présente une possibilité convaincante d'associer les figures des deux armoiries.

Wichtrach / BE

La réunion des deux précédentes armoiries est résolue de façon irréprochable sur le plan héraldique.

Rapperswil-Jona / SG

Une proposition convaincante de nouvelles armoiries est apparue il y a quelque temps sur Internet. Elle devrait avoir de grandes chances d'être acceptée.

Isorno / TI

Dans les armes de la commune nouvelle d'Isorno la fusion est représentée de manière originale.

Onsernone / TI

Les armoiries d'Onsernone contreviennent aux règles héraldiques relatives aux couleurs et leur symbolique ne prête pas à une interprétation limpide: a-t-on affaire à une vallée avec des ponts ou le nombre des arches fait-il allusion à la réunion de trois communes en une seule?

Capriasca / TI

Les armes de la nouvelle commune de Capriasca sont convaincantes et irréprochables du point de vue héraldique. Capro, en italien, signifie bouc. Ces armes accompagnent en outre excellemment celles de la commune voisine de Ponte Capriasca.

Courtepin / FR

Ici également la combinaison des deux anciens blasons est irréprochable sur le plan héraldique et représentée de façon convaincante.

Torny / FR

Les nouvelles armoiries communales de Torny frappent par leur originalité et séduisent malgré le recours à quatre couleurs.

Le Flon / FR

Les armoiries du Flon paraissent surchargées et les figures souffrent de disproportions extrêmement gênantes. Le fier bouleau de Bouloz se réduit à un minuscule bonzaï et contrevient en outre à la règle des couleurs. En face du sanglier, la tour ressemble à une pièce du jeu d'échecs. L'auteur de l'article montre que l'on peut se référer aux anciennes communes au moyen des couleurs également.

Le Mouret / FR

Les armoiries du Mouret regroupent encore plus de figures et n'échappent donc pas à un effet de surcharge.

Le Glèbe / FR

On a déployé beaucoup d'imagination dans le cas présent pour composer un nouveau blason. Toutefois, ce "puzzle héraldique" ne se prête guère aux réductions. A quoi correspond le sceau de la commune, si on ne distingue plus les figures, et à combien revient la confection du drapeau?

La Sonnaz / FR

La Sonnaz porte des armoiries qui n'ont que peu de rapport avec les précédentes. Elles sond irréprochables sur le plan héraldique.

Bas-Intyamon / FR

Les nouvelles armoiries de Bas-Intyamon présentent une heureuse combinaison des armoiries précédentes.

Villarsonnens / FR

La fusion de quatre communes est évoquée ici par quatre étoiles. Ces armoiries sont simples et marquantes. Leur blasonnement devrait intéresser plus d'un héraldiste.

Misery-Courtion / FR

La fusion est symbolisée dans ce cas par un trèfle à quatre feuilles. Voici encore une solution originale, même si le trèfle n'est pas représenté de façon correcte du point de vue botanique.

Les Montets / FR

Quatre roses rappellent la fusion des communes.

Mézières / FR

Cet exemple montre que la fusion de deux seules communes peut être résolue bien plus simplement en héraldique.

Riederalp / VS

La commune de Riederalp ne montre aucun intérêt pour de nouvelles armoiries. Le papier à lettre de la commune est présente un logo qui renvoie au site "Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn", reconnu par l'Unesco patrimoine naturel d'importance mondial, logo qui se différencie mal du papier à entête de Riederalp Tourismus. L'auteur a cherché une approche du motif "glacier" et propose une solution sous la forme d'un cristal de roche.

    Lien à proposition

Nesslau-Krummenau / SG

Cette commune s'est adressée à la SSH pour savoir si le motif d'un Sabot de Vénus conviendrait comme figure des nouvelles armoiries communales. L'idée venait de la réflexion que dans les deux communes se trouvent des sites marécageux d'importance nationale et qu'en différents endroits y croît la plante rare et fort appréciée précisément dénommée Sabot de Vénus. L'auteur a esquissé les armoiries souhaitées dans diverses combinaisons de couleurs. Les autorités communales décidèrent toutefois par la suite de réunir les deux blasons antérieurs.

 

Adresse des Autors / adresse de l'auteur: Hans Rüegg, Fingastrase 2B, LI-9495 Triesen