Schweizerische Heraldische Gesellschaft
Société Suisse d'Héraldique
Società Svizzera di Araldica

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Die Gemeinde Grafschaft und ihr Wappen
Artikel aus Schweizer Archiv für Heraldik, Heft 2002-II

Im Oberwallis besteht seit dem 1. Oktober 2000 eine neue Gemeinde unter dem Namen Grafschaft. Wer im Telefonbuch nachschlägt, findet unter der Ortschaft Grafschaft nur gerade einen Anschluss – die Gemeindeverwaltung. Dieser Sachverhalt und auch der Name Grafschaft mag dem Aussenstehenden rätselhaft erscheinen. Dabei handelt es sich um einen Namen, der im ausgehenden Mittelalter entstand, bei der Bevölkerung ununterbrochen weiterlebte und nun durch die Fusion der Gemeinden Biel, Selkingen und Ritzingen auch offiziell wieder benützt wird.

Im Mittelalter hatten die Grafen von Biandrate auf dem Schlosshubel in Biel einen Wohnturm. Von dieser Grafenherrschaft stammt der Name Grafschaft, die schon seit 1237 verurkundete Freiheitsrechte besass. Mit dem Einfall der Franzosen im Jahr 1798 verlor die Grafschaft ihren politischen Sonderstatus und daraus bildeten sich die vier politischen Gemeinden Selkingen, Biel, Ritzingen und Gluringen. Am 6. Juni 2000 beschloss das Stimmvolk der bisher unabhängigen Gemeinden Biel, Ritzingen und Selkingen, die Zukunft mit vereinten Kräften und unter Nutzung von Synergien anzugehen. Gluringen ist von diesem Zusammenschluss nicht betroffen und bleibt weiterhin selbständig.

Das Wappen von Biel (Abb. 1) zeigt einen goldenen Krummstab. Dieses Wappen findet sich erstmals auf einem Dokument von 1678 und zeigt, dass Biel seit dem 13. Jahrhundert dem Bischof von Sitten unterstand.

Das Wappen von Ritzingen (Abb. 2) wurde erst 1939 angenommen. Der Einschnitt im Schildboden (Ritze) ist eine Andeutung auf den Namen der Gemeinde. Die Kirche bezieht sich auf die Kapelle „Im Feld", welche an die verschiedenen Lawinenkatastrophen erinnert, bevor umfangreiche Schutzmassnahmen ergriffen wurden. Das Tatzenkreuz im rechten Obereck zeigt die Zugehörigkeit zum Bezirk Goms. Das Bezirkswappen entspricht dem Wappen des Hauptortes Münster und enthält zwei Tatzenkreuze.

Das Wappen von Selkingen (Abb. 3) wurde ebenfalls 1939 angenommen. Der Wellenpfahl symbolisiert die noch junge Rhone, die im Oberwallis Rotten genannt wird. Die Kapelle bezieht sich auf die Selkinger Kapelle und das Tatzenkreuz zeigt ebenfalls die Zugehörigkeit zum Bezirk Goms.

Das Wappen der neuen Gemeinde Grafschaft (Abb. 4) entspricht dem Wappen der früheren Gemeinde Biel, ergänzt durch drei Sterne, welche für die drei frühern Gemeinden stehen.

Anschrift des Autors: Hans Rüegg, Fingastrasse 2B, FL-9495 Triesen

 

 

 

 

Abb. 1
Wappen der früheren Gemeinde Biel

Abb. 2
Wappen der früheren Gemeinde Ritzingen

Abb. 3
Wappen der früheren Gemeinde Selkingen

Abb. 4
Wappen der heutigen Gemeinde Grafschaft

 

Die Abbildungen 1 bis 3 sind dem Buch „Die Walliser Gemeinden und ihre Wappen" aus dem Verlag Ketty & Alexandre, Chapelle sur Moudon, entnommen.