Heraldik

Gemeinde Saas Fee VS

 

Im November 2004 wandte sich der Gemeindepräsident von Saas Fee an mich und unterbreitete mir folgendes Anliegen: Das derzeitige Wappen der Gemeinde Saas Fee befriedige nicht mehr und man befasse sich mit dem Gedanken, ein neues Wappen anzunehmen. Ihm schwebte ein Wettbewerb vor, aus dem dann der beste Vorschlag übernommen würde. Ich verwies auf einige solche Wettbewerbe, bei denen nichts Brauchbares eingereicht wurde, und die Situation für alle Parteien unbefriedigend verlief. Ich erkundigte mich nach dem Budgetrahmen und wir einigten uns, dass ich einige Entwürfe einreiche.

In der Gletscher-Post, dem gemeindeeigenen Publikationsorgan, erschienen in der Folge zwei Artikel, die hier gekürzt wiedergegeben werden:

"Laut dem 1985 erschienenen Walliser Wappenbuch wurde das Feer Wappen 1939 amtlich angenommen. Es entstand, weil die Leitung der Landesausstellung 1939 plante, alle Gemeindewappen in einer Gesamtschau zu präsentieren". Es folgt dann eine kleine Bestandesaufnahme der Wappen anderer Walliser Gemeinden mit besonderem Augenmerk auf Buchstaben bzw. Monogramme. "Sind Buchstaben darstellende Wappen also rar, kommt beim Feer Wappen dazu, dass die Kombination des doppelten S seit dem 2. Weltkrieg - für den damaligen Wappenzeichner nicht voraussehbar - fatalerweise mit negativen Erinnerungen belastet ist. Der Gemeinderat von Saas-Fee ist aus diesem Grund der Meinung, es sollte für unsere international bekannt Feriendestination ein neues Wappen gesucht werden mit einem Emblem, das für diese Berggemeinde am Fusse der einzigartigen Mischabelkette Symbole enthält, die für Saas-Fee und nur für Saas-Fee repräsentativ sind. Saas-Fee braucht kaum auf stetig auftauchende, sich von anderen Wappen wenig oder gar nicht abhebende Symbole zurückzugreifen. Würde man als Beispiel eine Darstellung der Kapelle zur Hohen Stiege oder der Feer Pfarrkirche, der Mischabelgruppe oder des Allalins wählen, dann wird man sicher eine Zeichnung erwarten, die solche Symbole deutlich erkennen lässt, auch wenn das Wappen in der Endfassung heraldisch zu gestalten ist. Bilder mit Motiven aus der Walliser Geschichte wären für ein neues Feer Wappen kaum am Platz. Die vielen Löwen auf Walliser Bezirks- und Gemeindewappen gehen meistens wie im Falle von Visp auf Wappen früherer Landesherren zurück. Untiere wie Drachen, Bären, drohend dargestellte Doppeladler wie für Simplon Dorf oder Ausserberg oder gar ein schwarzer Luchs (Charrat) drängen sich keine auf. Vorbilder aus Siegeln oder taleigenen Geldstücken gibt es keine. Der Gemeinderat von Saas-Fee ist sich bewusst, dass die Tradition eines Wappens, mit dem sich Generationen identifiziert haben, nicht leichthin aufgegeben werden sollte. Ein solches Projekt sollte nur dann in Angriff genommen werden, wenn das bestehende Wappen heraldischen Kriterien nicht mehr genügt. Der Gemeinderat ist der Auffassung, dass dies hier der Fall ist. Es sollte ein Wappen geschaffen werden, das für Saas-Fee typische Symbole, künstlerisch ansprechend dargestellt, enthält. In diesem Sinne sind alle kreativen Kräfte des Dorfes, Private und Vereine, aufgerufen, dem Gemeinderat zu Handen seines Präsidenten, Dr. Felix Zurbriggen, bis Ende de Jahres 2004 Vorschläge für die Selektion von Symbolen und Farben einzureichen. Er erwarte weiter bis zu diesem Zeitpunkt auch Meldungen für die Beteiligung an einem Wettbewerb für die Gestaltung eines neuen Wappens. Der Wettbewerb wird Anfang Januar 2005 ausgeschrieben. Daran werden auch einige Heraldiker oder Künstler teilnehmen die vom Gemeinderat ausgewählt und eingeladen werden. Der Gemeinderat hofft, dieses Projekt so weit voranzubringen, dass zum grossen Anlass des 1. Feer Heimattages vom 22./24. Juli 2005 die neue Gemeindefahne vorgestellt und vielleicht sogar eingeweiht werden kann."

In einer weiteren Ausgabe der "Gletscher Post" wird im Zusammenhang mit dem Wappenprojekt auch über die Standarte der Talgemeinschaft Saas berichtet:

"Die "Saaser Chronik" berichtet, dass die Talgemeinschaft Saas eine gemeinsame Standarte besass, datiert aus dem Jahre 1766. Diese wurde u. a. auch von einem Detachement der Saaser  Gemeinden bei der Schlacht von Pfyn gegen die Franzosen 1789 ins Feld geführt. Es sei hier beigefügt, dass die alte Talfahne irgendwann aus einer Truhe, in der sie aufbewahrt worden war, verschwunden ist - bis heute unauffindbar. Immerhin waren Abbildungen vorhanden. Der Talrat entschloss sch in der Folge, ein dem Original möglichste nachempfundenes Replikat anfertigen zu lassen. Die neue Talfahne konnte zum Anlass der 600-jährigen Unabhängigkeit der Saaser Gemeinden am 11. Juli 1993 eingeweiht werden. Der Walliser Heraldiker Paul Heldner aus Glis würde, basierend auf dieser Talfahne, für Saas-Fee ein neues Wappen mit dem Adler empfehlen, kombiniert mit zwei Sternen in Silber für die alten Orte Fee und Kalbermatten und das Ganze aufgebaut auf einem Dreistern (wahrscheinlich ein Druckfehler, gemeint wohl eher Dreiberg). Gegen diesen Vorschlag eines solchen historischen Bezugs kann eingewendet werden, dass die geschichtliche Entwicklung im Bewusstsein der Bevölkerung nicht oder kaum mehr präsent ist. Geschichtsspuren ähnlicher Art sind zwar in Wappen von Kur- und Ferienorten nationalen und internationalen Formats durchaus vorzufinden. Diesen gegenübergestellt, fällt das heutige Feer Wappen eindeutig aus dem Rahmen. Paul Heldner qualifiziert es sogar als heraldische unstatthaft, zumal auch das blaue Feld nicht an einen grünen Dreiberg anstossen dürfe."

In Unkenntnis dieser beiden Artikel, die etliche irrige Ansichten über die Heraldik enthalten, reichte ich wie bereits vermerkt, im Auftrag des Gemeindepräsidenten Dr. Felix Zurbriggen die nachfolgenden Vorschläge ein.

 

Variante 1

Saas-Fee wird oft auch als "Gletscherdorf" bezeichnet. Bereits für die neu entstandene Gemeinde Riederalp mit ihrem UNESCO-Weltnaturerbe Aletschgletscher-Jungfreu-Breithorn empfahl ich den Eiskristall als Symbol für den Gletscher. Da aber Riederalp an einem Wappen nicht interessiert ist, eignet sich der Eiskristall selbstverständlich auch für Saas-Fee. Der Eiskristall als heraldisches Motiv ist in der Schweiz bis jetzt noch unbekannt. Das Symbol des Eiskristalls ist aber trotz Verwendung auf Verkehrsschildern und Kältegeräten kein "neugeschichtliches" Symbol, sondern existierte schon Millionen von Jahren vor dem Erscheinen der ersten Menschen.  Deshalb kann sicher nicht von einem unheraldischen Symbol gesprochen werden. Die weisse bzw. silberne Spitze steht für die erhabene Bergwelt (Allalin, Mischabel). Die Farbe Blau entspricht der dem bisherigen Wappen. Andere Farbkombinationen sind denkbar, aber nicht so überzeugend. Die Umkehr von Blau/Silber auf Silber/Blau entfaltet eine eher schlechtere Wirkung.

 

 

Variante 2

In dieser Variante ist eine Abwandlung der Variante 1, ergänzt mit zwei Sternen. Die Farben Rot/Silber beziehen sich sowohl auf die alten Herrschaftsbeziehungen zu Visp wie auch zum heutigen Kanton Wallis. Die Sterne können auch in doppeltem Sinne verstanden werden als die beiden Sterne im bisherigen Feer Wappen oder als zusätzlicher Bezug auf die Sterne im Wappen des Kantons Wallis.

Auch wenn in absehbarer Zeit keine Fusionen in Sicht sind, könnte durch das Stürzen des Bildes ein Wappen für eine Talgemeinde Saas dasselbe Motiv verwendet werden. Die gestürzte Spitze stände dann als Symbol für das Tal.

 

 

Variante 3

Bei dieser Variante dominiert wieder der Eiskristall als Bezug zum "Gletscherdorf". Das Herz im Schildhaupt bezieht sich auf die Herz-Jesu-Kirche in Saas-Fee.

 

 

Variante 4

In dieser Variante bezieht sich der Steinbocksrumpf auf die Hochgebirgslandschaft und das Herz auf die
Herz-Jesu-Kirche im Dorf.

 

 

Variante 5

Die letzte Variante zeigt als Hauptmotiv ein Walliser Trachtenmädchen. Diese Variante ist eigentlich nicht als Wappen für die Gemeinde Saa-Fee gedacht. Vor allem die Fahne würde sich als Festfahne für den Feer Heimattag eignen - ganz besonders, wenn als Gemeindewappen und Gemeindefahne die Variante 2 gewählt würde.

 

Schlussbemerkung

Die Aktion "neues Gemeindewappen" scheint im Sande verlaufen zu sein. Ich habe von der ganzen Sache nichts mehr gehört und der Präsident Dr. Felix Zurbriggen der sicher nicht armen Gemeinde Saas-Fee bleibt mir trotz Mahnungen das relativ bescheidene Honorar bis zum heutigen Tag kommentarlos schuldig.  Nicht einmal die Entwürfe wurden verdankt.

 

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen