Heraldik

Ortsgemeinde- und Dorfwappen in den
 Kantonen St. Gallen und Thurgau

 

Das Zeichen der Gemeinde Flums
1779 gestatteten die acht alten Orte der 1762 und 1764 von verheerenden
Wassergüssen heimgesuchten Gemeinde Flums ein Weggeld zu erheben.
Nach alter Überlieferung soll sich auf der Halbmil, an der Landstrasse zwischen Mels und Flums,
ein Schlagbaum befunden haben, wo die Holztafel angebracht und das Weggeld erhoben wurde.
Die sich im Landesmuseum befindende Tafel (55 x 43 cm) zeigt, umrandet von den Wappen
der regierenden Orte, das Zeichen der Gemeinde Flums.

Quelle: Alois Senti, Die Alpbücher und Nutzungsreglemente der Gemeinde Flums

 

 

Einleitung

Nach dem überwältigenden Erfolg meiner Arbeit über die Zürcher Dorfwappen befasse ich mich mit einer analogen Arbeit über den Kanton St. Gallen. Hier sind noch zahlreiche Ortsgemeinden und Ortsbürgergemeinden sowie von Korporationen vorhanden, die zum Teil die Wappen der politischen Gemeinde, aber auch eigene Wappen führen. Dann gibt es eine Reihe von Ortsgemeinden, die gar kein Wappen verwenden. Dann gibt es, wie im Kanton Zürich, etliche Dörfer oder Dorfgemeinschaften, wo keine Ortsgemeinde vorhanden ist, aber dennoch ein Wappen bekannt ist und entsprechende Fahnen auf privater Basis oder durch Vereine zum Einsatz gelangen.

Diese Arbeit dient nicht der eigentlichen Erforschung dieser Wappen, sondern ist eine Bestandesaufnahme auf der Ebene des Kantons, wobei nach Möglichkeit alle auffindbaren Informationen gesammelt und zusammengetragen werden.

Das geplante Heft aus der Reihe Schweizer Wappen und Fahnen wird auch noch die Wappen des Kantons Thurgau umfassen. Dort wurden im Rahmen einer umfassenden Gemeindereorganisation die Ortsgemeinden aufgelöst. Das Thurgauer Wappenbuch erschien 1960 und ist seit langem vergriffen. Deshalb werden auch diese Wappen vollständig gezeigt werden, ergänzt von allfälligen Dorfwappen.

 

 

Einige Beispiele von Ortsgemeinde- und Dorfwappen aus dem Kanton St Gallen:
(Ortsgemeinden, die das Wappen der aktuellen oder einer durch Fusion nicht mehr bestehenden politischen Gemeinde führen, sind hier nicht aufgeführt)

Ortsgemeinde Mols (politische Gemeinde Quarten)

Die Ortsgemeinde Mols besitzt 110 ha Wald, was durch die Tanne im Wappen versinnbildlicht ist. Die Wellen im Schildfuss zeigen den Walensee.

Zur Ortsgemeinde gehört unter anderem auch die Molser Alp in den Flumserbergen. Vor dem Bergrestaurant neben der Talstation der Maschgenkammbahn wehen die Flaggen des Kantons St. Gallen, der politischen Gemeinde Quarten und der Ortsgemeinde Mols.

Ortsgemeinde Murg (politische Gemeinde Quarten)

Die Ortsgemeinde Murg führt in ihrem Wappen den Bischofsstab aus dem Wappen der politischen Gemeinde Quarten und ein senkrechtes Wellenband (Wellenpfahl) als Symbol für die Murg.

Bemerkenswert ist, dass beim Bergrestaurant Murgsee (auch Fischerhütte genannt) die Fahne der Ortsgemeinde Murg weht. Aber auch die Fensterläden sind in den Farben der Ortsgemeinde bemalt.

Ortsgemeinde Quinten (politische Gemeinde Quarten)

Auch Quinten hat den Bischofsstab aus dem Wappen der politischen Gemeinde übernommen. Das römische Vier ist logischerweise durch das römisch Fünf ersetzt. Diese Ziffern beziehen sich auch die Höfe, die einst dem Bischof von Chur gehörten.

Am Schiffsteg von Quinten weht die Flagge der Ortsgemeinde. Die Schifffahrtgesellschaft Walensee taufte eines ihrer Motorschiffe auf den Namen Quinten und versah es auch mit dem Quintener Wappen.

Ortsgemeinde Oberterzen (politische Gemeinde Quarten)

Oberterzen führt neben dem Bischofsstab drei Balken, welche die römische Zahl Drei vertreten.

Über die Verwendung dieses Wappens ist dem Autor bis heute nichts bekannt.

Ortsgemeinde Bad Ragaz (politische Gemeinde Bad Ragaz)

Nachdem die politische Gemeinde im Jahr 1945 eine weise Taube zu ihrem Wappentier erkoren hatte, wurde die Ortsgemeinde ermächtigt, das ehemalige Wappenzeichen der Gemeinde Ragaz zu übernehmen. Die auffliegende Taube knüpft an die Gründungslegende des ehemaligen Abtei Pfäfers an.

Die Ortsgemeinde Bad Ragaz siegelt mit dem eingekerbten Tatzenkreuz, das auch als Malteser- oder Johanniterkreuz bekannt ist und von vielen Spitälern im Mittelalter benützt wurde.

Ortsgemeinde Balgach (politische Gemeinde Balgach)

Die Ortsgemeinde führt als Wappen die untere Hälfte aus dem Wappen der politischen Gemeinde. Es ist das Wappen der Dienstmannen von Balgach, die bereits im 13. Jahrhundert auf Grünenstein sassen.

Das Wappen erscheint im Internet-Auftritt der Ortsgemeinde.

 

Ortsgemeinde Diepoldsau (politische Gemeinde Diepoldsau)

Die Ortsgemeinde führt ihr Wappen seit 1789. Der Maiskolben verweist auf den im Rheintal weit verbreitet angebaute Mais, das Wellenband nimmt Bezug auf den Rhein als Lebensader und die Eiche gilt ebenfalls als alte Kulturpflanze. Das Wappen der politischen Gemeinde wurde durch Gemeinderatsbeschlüsse von 1937 und 1986 angenommen.

Die Ortsgemeinde verwendet das Wappen in ihren Drucksachen und im Stempel. Auch Fahnen sind vorhanden.

Ortsgemeinde Flums-Kleinberg (politische Gemeinde Flums)

Das alte Flumser Wappen mit dem Reichsapfel war in Vergessenheit geraten, als 1932 auf Weisung der St. Gallischen Regierung für die politische Gemeinde ein Wappen gesucht wurde. Deshalb wählte man das Wappen des Ritter Ulrich von Flums, welches auf einer Grabplatte aus der Zeit um 1300 stammte.

Das älteste Flumser Wappen wurde 1963 auf einer Tafel im Landesmuseum gefunden und datiert aus dem Jahr 1779 (siehe Abbildung oben, nach dem Titel). Es findet sich auf einer Tafel, welche Flums berechtigt, einen Wegzoll zu erheben (siehe Illustration oben). In der Folge wurde dieses Wappen von der Bürgergemeinde Flums geführt. Belegt ist das u.a. durch ein Oblatensiegel von 1834. 1932 wurde die Bürgergemeinde Flums in die drei Ortsgemeinden Dorf, Grossberg und Kleinberg aufgeteilt. In der Folge übernahm die Ortsgemeinde Flums-Dorf das Wappen der einstigen Bürgergemeinde, ergänzt mit den Buchstaben F und D (Flums Dorf). Dann geriet das Wappen endgültig in Vergessenheit. 1986 einigten sich die Flumser Ortsgemeinden über die Darstellung in verschiedenen Varianten des Wappenzeichens. Die Varianten bei der Darstellung des Reichsapfels hat folgende Programmatik: der freistehende Schenkel soll die geografische Lage des Gebietes quasi wie der Kompass anzeigen: Grossberg rechts (des Schilstales, vom Dorf aus gesehen), Kleinberg links, Dorf unten und die ökonomische Gemeinde als vierte, in der die drei ersten drei zusammengeschlossen sind, mit 4 Schenkeln. Leider wurden diese Wappenzeichen nicht in der Form von Wappen, d.h. auf Schildern, sondern davon losgelöst, also wie Logos festgelegt.

Diese Wappen werden in den Drucksachen und Stempeln der Gemeinden verwendet.

Ortsgemeinde Flums-Grossberg (politische Gemeinde Flums)

Das Wappenzeichen, ein Reichsapfel, zeigt eine Abwandlung des ursprünglichen Flumser Wappens. Der Reichsapfel ist ein Herrschaftszeichen und zeigt die Weltkugel mit einem aufgesetzten Kreuz. Der Erdball war das Attribut des römischen Gottes Jupiter. In der Hand des Kaisers versinnbildlichte der Reichsapfel die Weltherrschaft.

Siehe auch die Erläuterungen bei Flums-Kleinberg.

Ortsgemeinde Flums-Dorf (politische Gemeinde Flums)

Die in der Heraldik übliche Darstellung des Reichsapfels zeigt ein rund um den Äquator gelegtes Metallband, und von diesem Ausgehend vier halbe Meridiane zum Kreuz hinauf. Oft sind diese Metallbänder mit Edelsteinen besteckt.

Auf den Wappen der Flumser Ortsgemeinden weichen alle Varianten von der üblichen Darstellung des Reichsapfels ab. Bei Flums-Dorf ist der Meridian zum Nordpol, also zum Fusspunkt des Kreuzes, unterbrochen. läuft aber zum Südpol.

Siehe Erläuterungen bei Flums-Kleinberg und Flums-Grossberg.

Ökonomische Gemeinde Flums (politische Gemeinde Flums)

Siehe Erläuterungen bei den andern Ortsgemeinden von Flums.

In der ökonomischen Gemeinde Flums sind alle Ortsgemeinden zusammen geschlossen zwecks Verwaltung und Bewirtschaftung des gemeinsamen Waldes.

Ortsgemeinde Vättis (politische Gemeinde Pfäfers)

Das Wappentier, der Drache, nimmt Bezug auf die prähistorische Fundstelle und legendenumwobene Drachenloch zuhinterst im Taminatal. Das "V" im Obereck war das Wappen bis 1990. Zur 700-Jahr Feier der Eidgenossenschaft wurde der Drache als Hauptmotiv für das Wappen der Ortsgemeinde gewählt. Der Drache wurde aber gemäss einem Wappen im Chor der ehemaligen Klosterkirche Pfäfers schon früher verwendet.

Das Wappen findet sich im Internet-Auftritt des Dorfes Vättis und zierte das Postauto, als der Kurs noch durch die Schweizerische Reisepost von Bad Ragaz ins Taminatal versehen wurde.

Ortsgemeinde Vasön (politische Gemeinde Pfäfers)

Das Tatzenkreuz befindet sich in anderer Farbe auch im Wappen der Ortgemeinde Bad Ragaz. Der untere Teil des Wappens zeigt die mit einem Blutspan auffliegende Taube gemäss der Gründungslegende für das Kloster Pfäfers.

Das Wappen wird auf Drucksachen verwendet. Am Altersheim Pfäfers wehen alle Fahnen der Ortsgemeinden des Taminatals.

Ortsgemeinde Valens (politische Gemeinde Pfäfers)

Das Wappen bezieht sich auf eine Sage aus dem Dorf Valens, nach welcher der reiche Garlett in einem Schloss mit unterirdischen Gängen gewohnt haben soll.

Die Fahne weht zusammen mit denen der anderen Ortsgemeinden des Taminatals am Altersheim in Pfäfers.

Dietfurt (politische Gemeinde Bütschwil)

Der weisse Schrägfluss bezieht sich auf die Thur. Pflugschar und Spinnwirtel nehmen Bezug auf die einstigen wirtschaftlichen Grundlagen des Dorfes: Landwirtschaft und Heimarbeit für Textilfabriken. Schwarz und Gelb sind die Farben des Obertoggenburgs. In verschiedenen Dörfern weht die Obertoggenburger Fahne: In Schwarz ein gelbe Dogge, das Wappentier der einstigen Grafen von Toggenburg.

Niederglatt (politische Gemeinde Oberuzwil)

Das Dorfwappen von Niederglatt geht auf das der Gielen von Glattburg zurück. Es ist auch im Gemeindewappen von Oberuzwil unten im Schildfuss vorhanden. Die Nachbargemeinde Flawil zeigt ebenfalls das Wappen der Gielen von Glattburg, jedoch mit einem gelben Schildhaupt.

Das weitverzweigten Geschlechts der Gielen von Glattburg hatte ihren Stammsitz auf der Glattburg bei Niederglatt und stand vom 13. bis zum 18. Jahrh. in den Diensten des Abtes von St. Gallen.

Dorfkorporation Bichwil (politische Gemeinde Oberuzwil)

Das Dorfwappen von Bichwil nimmt mit dem weissen Schrägbalken und dem schwarzen Feld Bezug zu den Herren von Eppenberg, deren Wappen ebenfalls im Schildfuss des Gemeindewappens von Oberuzwil zu finden ist. Die schwarze Dogge zeigt die einstige Zugehörigkeit von Bichwil zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Toggenburg.

Das Dorfwappen wurde 1965 geschaffen, als Bichwil das 1100-jährige Jubiläum seit der ersten urkundlichen Erwähnung feierte.

 

Bisher bearbeitete Wappen aus dem Kanton St. Gallen:

Altstätten:

Rhode Lienz, Rhode Hinterforst, Holzrhode Kornberg

Au, Balgach, Berneck, Widnau:

Heerbrugg

Bad Ragaz:

Ortsgemeinde Bad Ragaz

Balgach:

Ortsgemeinde Balgach

Bütschwil

Dietfurt

Diepoldsau:

Ortsgemeinden Diepoldsau, Schmitter

Eggersriet:

Ortsgemeinde Grub

Flums:

Ortsgemeinden Flums-Dorf, Flums-Kleinberg, Flums.Grossberg, Ökonomische Gemeinde Flums

Gaiserwald: Dorfkorporation Engelburg (unvollständig, Bedeutung bzw. Herkunft fehlt)
Gossau: Dorfkorporation Arnegg

Grabs:

Städtchen Werdenberg

Jonschwil: Schwarzenbach
Kirchberg: Dorfkorporationen Bazenheid, Dietschwil, Müselbach-Bäbikon

Mels:

Ortsgemeinden Mels, Weisstannen, Dorf Heiligkreuz

Mosnang: Libingen
Niederhelfenschwil: Dorf- und Wasserkorporation Zuckenriet

Oberbüren:

Dorfkorporation Niederwil

Oberriet:

Ortsgemeinden Kriessern, Kobelwald (Holzrhode), Eichenwies, Montlingen

Oberuzwil:

Dorfkorporation Bichwil, Niederglatt

Pfäfers:

Ortsgemeinden Vasön, Vättis, Valens

Quarten:

Ortsgemeinden Mols, Murg, Oberterzen, Quinten

Sankt Gallen:

Ortsgemeinden Tablat, Straubenzell

Sargans:

Ortsgemeinde Sargans

Schänis:

Ortsgemeinden Schänis, Dorf, Maseltrangen, Rüttiberg

Thal:

Ortsgemeinden Altenrhein, Staad

Vilters-Wangs:

Ortsgemeinden Vilters, Wangs

Waldkirch:

Bernhardzell

Walenstadt:

Ortsgemeinden Berschis, Tscherlach, Walenstadtberg

Zuzwil:

Züberwangen-Weieren

   

Bisher bearbeitete Wappen aus dem Kanton Thrgau:

Ettenhausen (Aadorf)

Tänikon

Frauenfeld

Huben, Kurzdorf (wappenführende Quartiere)

Frauenfeld Ergaten-Talbach, Erzenholz, Herten-Bannhalde, Langdorf (bei allen fehlt die Beschreibung bzw. Herkunft des Wappens)

Romanshorn

Holzenstein

Salenstein

Fruthwilen

   
   

 

Die Arbeit ist in der Schriftenreihe
Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 15, erschienen

Nähere Angaben: hier klicken
 

 

Weitere Informationen:
Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen

 

 

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen