Heraldik

Politische Gemeinde Amlikon-Bissegg TG

 

Die vier Ortsgemeinden Amlikon, Bissegg, Strohwilen und Griesenberg schlossen sich im Rahmen der Gemeindereorganisation zur Einheitsgemeinde Amlikon-Bissegg zusammen.


Amlikon
 


Bissegg
 


Strohwilen
 


Griesenberg
 


Amlikon-Bissegg
 

Das bei diesem Zusammenschluss zugelegte Wappen ist nicht befriedigend. Es enthält Verstösse gegen heraldische Regeln und wirkt durch die asymmetrische Anordnung nicht überzeugend. Ich zeigte in meinem Artikel im Schweizer Archiv für Heraldik (Heft 2001-I) die Problematik auf und unterbreitete der Gemeindeverwaltung meine Vorschläge. Der Gemeinderat liess sich durch meinen Bericht überzeugen, dass das Wappen ersetzt werden muss. Nach einer Rückfrage unterbreitete ich die nachfolgenden Vorschläge für ein verbessertes Gemeindewappen:

 

Variante 1

Der Wunsch war offenbar, alle vier bisherigen Wappen in einem einzigen zu vereinen. Der einfachste Weg führt zu einem gevierten Schild. Da die Felder 1 und 4 die wichtigsten sind, sollen dort die Wappen der namensgebenden Orte platziert werden. Das Amlikoner Wappen wird unverändert übernommen, denn dieses lässt sich kaum weiter vereinfachen. Aus dem Bissegger Wappen wird nur ein Bärenkopf als charakteristische Figur übertragen.  Besonders bei gevierten Wappen muss darauf geachtet werden, dass jedes Feld so einfach als möglich gestaltet wird. Die Figuren sollen auf eine grössere Distanz, besonders auf einer wehenden Fahne, noch erkennbar sein. Ebenfalls auf den Stempeln der Gemeindebehörden sollen trotz der Verkleinerung die Motive noch klar erkennbare sein.
Die beiden Felder 2 und 3 nehmen die gesparrten Wappen von Griesenberg und Strohwilen auf. Dieses Motiv wirkt wie jedes andere Heroldsbild auch auf Distanz beeindruckend.  Bei gevierten Schilden werden oft die Figuren in den sich diagonal gegenüberstehenden Feldern wiederholt. In diesem Fall wird wohl das Motiv wiederholt, nicht aber deren Farben. Damit wird die Komposition aufgelockert. Die Gesamtheit der Farben könnte von fünf auf vier reduziert werden, wenn der Bärenkopf blau gewählt würde. Dann stünden einem Feld mit Silber und Rot aber deren drei mit Blau und Gold gegenüber. Deshalb wirkt das Wappen mit dem schwarzen Bärenkopf optisch doch ausgewogener. Bei gevierten Wappen können oft die heraldischen Farbregeln nicht eingehalten werden. Dessen ungeachtet wirken gevierte Wappen recht dekorativ. In der Schweiz führen rund 40 Gemeinden ein geviertes Wappen, darunter die Thurgauer Gemeinden Wängi und Bonau.

 

 

Variante 2

Ein etwas provokativer Vorschlag wäre, nur die Wappen Griesenberg und Strohwilen zu vereinen. Diese Idee steht als Ausgleich, dass Amlikon und Bissegg ihre Namen zur neuen Gemeindebezeichnung beisteuerten und nun die beiden übrigen Gemeinden ihre Wappen für das neue hergeben. Die beiden gesparrten Wappen werden je mit der rechten und der linken Hälfte in einem gespaltenen Schild zusammengeführt. Die heraldischen Farbregeln werden eingehalten und es entsteht ein Schild, wie es bisher keine einzige Gemeinde in der Schweiz und im benachbarten Ausland führt.

 

 

Variante 3a

Problematisch wird das Aufnehmen der der Sparrenschnittteilung mit den Farben Silber und Rot für das Dorf Strohwilen. Dieses Problem kann auch gelöst werden, indem die Farben Silber und Rot auf die Figur eines andern Dorfes  übertragen wird. Das Amlikoner Fährschiff wird silbern auf rotem Grund in das neue Wappen übernommen. Aus dem Bissegger Wappen stammen zwei Bärenköpfe. Das Fährschiff wird auf eine Spitze gelegt in Anlehnung an die Sparrenteilung in den Wappen Griesenberg und Strohwilen.

 

 

Variante 3b

In dieser Variante ist die Spitze in blauer Farbe dargestellt. Damit entspricht das Wappen den Amlikoner Farben Blau und Gold. Ein Bezug auf das Dorf Strohwilen fehlt bei dieser Farbwahl.
Die beiden Bärenköpfe könnten auch in Blau dargestellt werden, womit den Farben von Amlikon und Griesenberg mehr Rechnung getragen wird. Allerdings gewinnt das Wappen an Ausdruckskraft mit den schwarzen Bärenköpfen.

 

 

Variante 4a

Diese Variante entspricht eigentlich der Variante 3. Bei dieser Lösung ist der ganze Schild in Rot gehalten und die beiden Bärenköpfe befinden sich in einem goldenen Schildhaupt mit Spitzen- oder Zickzackschnitt. Mit dieser Trennlinie wird der Bezug zum Bissegger Wappen mit seinem blauen Zichzackbalken hergestellt.

 

 

Variante 4b

Diese Variante zeigt analog der Variante 3 den Schild in den Farben von Amlikon und Griesenberg.

 

 

Variante 5a

Mit dieser Variante wird dasselbe Motiv noch weiter abgewandelt. Das Wappen kann wie folgt beschrieben werden: Geteilt von Gold mit zwei schwarzen Bärenköpfen und Rot mit goldenem Fährschiff, belegt mit geteiltem Zickzackbalken in gewechselten Farben.
Auf der Flagge muss das Fährschiff so stark verkleinert werden, dass es nur noch schlecht erkennbar ist.

 

 

Variante 5b

Auch diese Variante kann in den Farben Blau und Gold dargestellt werden. Um auch Stohwilen angemessen berücksichtigen zu wollen, könnte der Zickzackbalken in den Farben Rot und Silber dargestellt werden. Damit würde aber das Wappen zu bunt und zu unruhig. Es würde zu überladen wirken.

 

 

Variante 6

Um aber auf Wunsch der Gemeinde die Stohwiler Farben dennoch zu berücksichtigen, wählte ich den in den Farben Rot und Silber geteilten Schrägbalken. Durch die Schrägteilung lassen sich die beiden Motive Bärenkopf und Fährschiff sowohl auf dem Wappen als auch auf der Fahne deutlich grösser darstellen.

Am 22. Mai 2003 teilte mir der Gemeindeammann mit, dass die Gemeindeversammlung einstimmig die Variante 6 als neues Gemeindewappen gewählt hat.

 

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen