Heraldik

Historische Ereignisse und Begebeneheiten

 

 

Im Schweizer Archiv für Heraldik, Jahrgang CXXXI - 2017, stellte der Autor seine Analyse der schweizerischen Kantons-, Bezirks- und Gemeindewappen vor. Es ging nicht um die Wappenmotive selbst, sondern um die Motivation für deren Wahl. Diese Beweggründe wurden in 11 Kategorien eingeteilt und einzelne noch weiter untergliedert.

Nun werden in loser Reihenfolge die Wappen einzelner Gruppen vorgestellt. In diesem Heft ist die Gruppe „Historische Ereignisse und Begebenheiten“ aus der Kategorie „Wappen mit Bezug zu Geschichte und Mythologie“ thematisiert. Bei den Ereignissen handelt es sich um einmalige Geschehnisse, meistens von überregionaler Bedeutung. Unter dem Begriff „Begebenheiten“ sind örtlich oder zeitlich begrenzte Vorkommnisse zusammengefasst, die aufgrund besonderer Umstände auftraten oder auftreten konnten.

Vorgestellt werden 64 Wappen. Die Gruppe selbst umfasst mit 116 Wappen nur 2,2 % aller Motive.

Zuerst stehen Motive aus der Prähistorie: Ausgrabungen und Fundstücke. Anschliessend folgen einige Motive mit Bezügen zur Römerzeit. Weitere stehen in Bezug zum mittelalterlichen Hochadel und Klerus. Wappenmotive mit Bezügen zur militärischen Organisation und kriegerischen Auseinandersetzungen sind recht zahlreich festzustellen. Weitere erinnern an Bündnissen oder verweisen auf einstige Strukturen des Rechts- und Gesellschaftswesens. Letztendlich befasst sich der Aufsatz mit mehreren Wappenmotiven, die an einzelne Begebenheiten erinnern und sich nur schwerlich systematisch gruppieren lassen.

 



Das 1944 zugelegte Wappen der Gemeinde Port zeigt einen prachtvollen Helm aus der Römerzeit, der 1890 in der Zihl gefunden wurde. Der Name selbst geht auf den spätrömischen Hafen (portum) zurück, um den herum sich das heutige Dorf entwickelte. Der Helm befindet sich im Schweizerischen Landesmuseum Zürich, Nachbildungen davon bei der Gemeindeverwaltung Port und im Römisch-Germanischen Museum in Mainz. Laut Urteil von Dr. Degen vom Landesmuseum Zürich zählt dieser Helm zu den besterhaltenen dieser Art.

Foto: Gemeindeverwaltung Port

 

 

 

 

 

 

 

       

Die Säule (la colonne) im Wappen von Cologny könnte das redende Motiv der Gemeinde sein. Die eingemeisselte Jahreszahl verweist jedoch auf ein bedeutendes historisches Ereignis für die an Cologny angrenzende Stadt Genf: Am 1. Juni 1814 landeten im Port-Noir, dem heutigen Jacht- und Segelhafen von Cologny, die eidgenössischen Truppen, bestehend aus etwa 300 Solothurner und Freiburger, um die Stadt Genf zu befreien. Der Landweg über Nyon war durch die französischen Truppen besetzt. 1864, fünfzig Jahre später, wurde zum Gedenken an dieses Ereignis ein Obelisk errichtet. Anlässlich der Landesausstellung von 1896 wurde der Obelisk durch die heutige Säule ersetzt. Jedes Jahr findet am 1. Juni ein Gedenkanlass statt.

Foto: Romanol 246, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

 

 

 
     

Die „Neue Glarner-Chronik“ von Christof Trümpi von 1774 erwähnt den Brunnen im Wappen von Mitlödi als eine „kostbare Merkwürdigkeit im Lande“. Laut dem Tagwensbuch von Mitlödi wurde der „ob Glarus nebst Riedern“ gelegene fertige Brunnentrog auf drei Hölzern „von gegen 400 Mann nach Mitlödi gezogen und hat sich Gott sei Lob und Dank bei diesem grossen und gefährlichen Werk Niemand geschedigt“. Die Distanz für diesen Transport dürfte gegen 5 km gewesen sein.







 

     
     

Der vollständige Artikel ist im Schweizer Archiv für Heraldik, Jahrgang 2018, publiziert.

 

zurück

Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen