Heraldik

Fusionswappen - Problemfall oder eine neue Wappenkategorie ?

 

 

Der Autor sammelt systematisch die Wappen aller Schweizer Gemeinden, zuerst politisch geordnet, später auch nach Motiven. Wünschenswert ist eine Klassifikation nach der Motivation unter Beachtung der Priorität. Beispiel: Die Gemeinde Greyerz adoptierte 1941 das gräfliche Wappen. Es wird der Kategorie „Übernommenen Adelswappen“ zugewiesen und nicht der Kategorie „Redende Wappen“ oder „Wappen mit Beziehungen zur lokalen Flora und Fauna“. Vorgesehen war auch eine eigene Kategorie „Fusionswappen“. Bei Fusionen wird jedes Motiv gemäss dem ursprünglichen Wappen eingeordnet. Viele Wappen enthalten aber bereits bei ihrer Entstehung mehr als ein Symbol, die bei den betreffenden Kategorien einzuordnen sind. Somit gibt es keinen Grund, für die Fusionen eine eigene zu führen, obwohl die Fusion Auslöser ist.

Die bekannteste Wappenverbindung ist das Wappen des Kantons Graubünden, das erst 1932 genehmigt wurde. Bei Gemeinden datieren die ersten Fusionen mit Wappenverbindungen ab 1961. Der Nachteil dieser Wappenverbindungen besteht darin, dass sie die Aussagestärke und optische Wirkung der bisherigen Wappen nicht erreichen. Eine Arbeit des Autors über die Dorfwappen im Kanton Zürich brachte die Erkenntnis, dass viele Dörfer oder Gemeindeteile eigene Wappen und Fahnen besitzen. Die Wappen fusionierter Gemeinden verlieren den offiziellen Status, sollen aber weiterhin als Dorfwappen verwendet werden. Eine weitere Unterkategorie der Fusionswappen sind solche mit Motiven, die eine Zählfunktion ausüben. Das bekannteste Beispiel ist das Wappen des Kantons Wallis. Da der Stern zu oft als Zählfunktion herhalten muss, wirkt diese Art abgedroschen. Häufiger treten andere Motive auf. Eigentliche Neuschöpfungen mit neuen Motiven, die den Ansprüchen an ein gutes Wappen genügen, sind rar.

Der Autor verssuchte, möglichst gute Lösungen aus den über 150 Fusionswappen zu präsentieren. Nur wenige Ausnahmen verweisen auf Missstände. Gemäss den aktuellen Beobachtungen weisen 50 % die Prädikate "gut" und "sehr gut" auf, 20 % werden als "befriedigend" eingestuft und 30 % als "schlecht" oder gar "miserabel". Eine spürbare Besserung dürfte Wunschtraum bleiben.

Die vom Autor begonnene Klassifizierung (siehe Einleitung) wird weitergeführt, die Kategorien verfeinert und präzisiert, und die statistische Auswertung mit repräsentativen Beispielen in einer der nächsten Ausgaben des Schweizer Archiv für Heraldik veröffentlicht. Weiter geplant ist in loser Reihenfolge die Vorstellung einzelner Kategorien dieses Systems mit prägnanten, aber auch originellen und ausgefallenen Beispielen.

 




Wappen der Drei Bünde
(Grauer Bund, Gotteshausbund, Zehngerichtenbund)
Gasthaus Alte Post, Zillis
Altes Kantonswappen
Graubünden
Aktuelles Kantonswappen
Graubünden

Der vollständige Artikel ist im Schweizer Archiv für Heraldik, Jahrgang 2016, publiziert.

Diese Ausgabe ist als Jubiläumsband zum 125jährigen Bestehen der Schweizerischen Heraldischen Gesellschaft konzipiert.

 

 

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen