Heraldik

Die Gedächtnistafel der Elgger Pfarrherren seit der Reformation

 

 

Elgg, ein altes Zürcher Landstädtchen, ist eine politische Gemeinde mit etwas über 4000 Einwohner im Bezirk Winterthur und grenzt im Osten an den Kanton Thurgau. Erste Siedlungsspuren verweisen in die Zeit um 2000 v. Chr. Die erste urkundliche Erwähnung datiert vom 20. August 760. Als einer der ersten äbtischen Dienstleute ist ein Walter von Elgg bezeugt. Sein Wappen zeigte in Rot einen silbernen Balken. Später wurde dieses Wappen mit drei Bärenköpfen ergänzt zum Zeichen der grossen Grundbesitzungen des Klosters St. Gallen. 1369 erhielt Elgg das Stadtrecht.

 Im Pfarrhaus von Elgg befindet sich ein beachtenswertes Kulturdenkmal, das wahrscheinlich einzigartig ist. Es handelt sich um eine Gedächtnistafel aus dem Jahr 1698, die vom damals amtierenden Pfarrer Salomon Wolf in Erinnerung an die Einführung des reformierten Glaubens vor 175 Jahren gestiftet wurde. Die Tafel besteht aus einem Überbau mit Widmung und Wappen der Obrigkeit, des Stadtstaates Zürich und dessen Vertreter, dem Gerichtsherrn, sowie des Stifters dieser Tafel. Dann folgen die Wappentäfelchen der in Elgg residierenden Pfarrherren. Beidseits ist je eine grössere Tafel mit den Wappen der Mitglieder des Elgger Pfarrkapitels und des Elgger Stadtrates eingefügt.

Die Wappen der gewählten Pfarrherren sind bis auf den heutigen Tag weitergeführt. Die Reihe beginnt mit dem ersten reformierten Pfarrer Hans Oechsli aus Einsiedeln: Seit 1503 Pfr. auf Burg bei Stein am Rhein, wurde wegen seines Eifers für die evangelische Lehre 1524 vom Landvogt Frauenfeld gefangen genommen, woraus der Ittingersturm mit der Brandschatzung der Karthaue entstand, nach Luzern übergeführt und gefoltert, dann von der Tagsatzung in Baden freigelassen und Pfarrer in Elgg. Der zweite reformierte Pfarrer in Elgg, Johannes Mantel, stammte aus Miltenberg am Main, seit 1500 Prior des Augustinerklosters in Nürnberg, schloss 1511 sich der Reformation an, wurde zwei Jahre in Württemberg gefangen gehalten, kam 1529 durch Zwinglis Vermittlung nach Elgg. So sind die Lebensläufe, recht kurz gefasst, in den Kartuschen der Wappentäfelchen nachzulesen, und lassen die wechselvolle Geschichte wieder aufleben. Während den ersten beiden Jahrhunderten stammte die Mehrheit der Elgger Pfarrherren aus der Oberschicht der Stadt Zürich. Über die Wappenreihe hinweg lässt sich auch der Stil der Wappendarstellungen verfolgen. Etliche Wappen weisen Spuren von Übermalungen und Ausbesserungen auf. In etlichen ist die oxydierte Silberbronze durch Weiss übermalt. Da der Platz für die Pfarrherren vollständig ausgenutzt wurde, entschloss sich die Kirchgemeinde, die Tafel zu vergrössern um in einer weiteren Reihe die Wappentäfelchen der aktuellen und zukünftigen Pfarrer und Pfarrerinnen aufzunehmen. Wünschenswert wäre eine fachgerechte Restauration der Tafel, bei welcher allfällige Übermalungen rückgängig gemacht würden, allenfalls mit einem Rückbau und der Neuanfertigung einer zweiten Tafel.

 

 

Der vollständige Artikel ist im Schweizer Archiv für Heraldik, Jahrgang 2015, publiziert.

 

Bericht im Winterthurer "Landbote" vom 28.08.2015

 

 

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen