Heraldik

Die Wappen der Grafen vo Buchegg

 

Die Fusion von 10 Gemeinden im solothurnischen Bezirk Bucheggberg war Anlass, das neu gewählte Gemeindewappen zu hinterfragen. Dieses soll das ursprüngliche Wappen der Freiherren von Buchegg sein und verstösst gegen die heraldische Farbregel. Überliefert sind zwei Wappen, eine ältere und eine jünger Version, der Grafen von Buchegg, eines damals bedeutenden und einflussreichen Dynastengeschlechts. Deren Wappen sind in verschiedenen Dokumenten überliefert, unter anderem in der Zürcher Wappenrolle und im Conrad Grünenberg’s Wappenbuch. Die ältere Wappenversion zeigt in Rot einen gelben Pfahl, belegt mit drei gelbbebutzten roten Rosen (teilweise mit grünen Kelchblättern und Stielen versehen). Die Freiherren Senn von Münsingen führten in Rot einen weissen Schildhauptpfahl. Einer dieser Familie verheiratet sich mit der Tochter des letzten Buchegger Grafen und die Nachfolger nannten sich Freiherren von Buchegg. Sie sollen ein eigenes Wappen geführt haben: In Rot gelber Pfahl, belegt mit drei gelbbebutzten weissen Rosen. Es soll eine Kombination der Wappen der Senn von Münsingen und der älteren Version des Buchegger Grafenwappens sein. Die jüngere Version (in Gelb drei gelbbebutzte rote Rosen, pfahlweise angeordnet) wurde nach dem Verkauf der Herrschaft von den Solothurnern als Vogteiwappen weiter verwendet und ist in Standes- oder Ämterscheiben nachweisbar. Im Berner Wappenbuch von 1932 werden unter dem Namen Buchegg zwei Wappen gezeigt: Das angebliche Freiherrenwappen und die jüngere Version der Grafen. Ebenfalls ist auch das Wappen der Senn von Münsingen enthalten, aber mit einer wesentlich anderen Helmzier als das erste, das unter dem Namen Buchegg ausgewiesen ist. Es stellt sich die Frage, welcher Beleg Paul Boesch als Zeichner der 1877 Entwürfe im Berner Wappenbuch zur Verfügung stand, oder ob er einfach vergass, die Rosen rot auszumalen? Diese Annahme scheidet aus, weil die Helmzier, das mit weissen Rosen besteckte Hirschgeweih in Form eines Zehnenders, nicht dem gräflichen Wappen entspricht.



Links ein redendes Wappen, rechts das angebliche Wappen der Freiherren von Buchegg.

 


Auszug aus dem Wappenbuch
des Conrad Grünenberg (ca. 1480).
Der Pfahl ist irrtümlich weiss.

Auszug aus dem Wappenbuch
der Berner Burgerschaft (1932).
Die Farbe der Rosen und
die Helmzier ist falsch.

Auszug aus dem Wappenbuch
der Berner Burgerschaft (1932).
Das Wappen der Senn von
Münsingen wird von der
Gemeinde Mündingen geführt.

Auszug aus dem Wappenbon
des Ägidius Tschudi (1530-72)
für die Freiherren von
Buchegg.
 

Der vollständige Artikel ist im Schweizer Archiv für Heraldik, Jahrgang 2014, publiziert
mit einem Nachtrag im Jahrgang 2015 (Miszelle).

 

 

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen